Psychologietraining Teil 1: Die Risikospirale
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Die Konsquenz des Satzes "Die Börse ist keine Einbahnstraße." - ein Ausspruch, den Altbörsianer gebetsmühlenartig rezitieren - trifft Börsianer mit wenig Handelserfahrung oft recht unvorbereitet. Dementsprechend irrational sind in vielen Fällen auch die Reaktionen - besonders dann, wenn das Depot tief ins Minus rutscht.

Eine Beobachtung, die ich im regen Austausch mit Anlegern gemacht habe, ist die Tendenz zu einem Verhalten, das ich "Risikospirale" nenne. Was bei köperlichen Auseinandersetzungen als "Gewaltspirale" bekannt ist, wird von einigen Anlegern offensichtlich auch auf das eigene Anlageverhalten übertragen. Während bei der Gewaltspirale die Gegner immer schwerere Geschütze auffahren, steigern Anleger das Risiko ihrer Anlagen. Und drehen sich so immer tiefer in die Risikospirale hinein - ein Spiel mit schlimmen Auswirkungen.

Gerade in Phasen, in denen die Gewinne nicht auf der Straße liegen und der Blick auf das eigene Depot Kopfschmerzen verursacht, versuchen viele Anleger ihre Verluste durch immer risikoreichere Anlagen zu kompensieren. Insbesondere Anlageformen, die ein hohes Maß an Erfahrung und Kenntnissen voraussetzen, werden zur Anlaufstelle vieler Börsenneulinge. Die wenigen, die damit Erfolg haben, stehen der Masse derer gegenüber, die dieses Spiel mit dem Totalverlust ihres Depotkapitals bezahlen.

Warum sind diese Aktionen meist zum Scheitern verurteilt ? Während sich Börsianer oft sehr gründlich auf ihre ersten Handelserfahrungen vorbereiten, wird in diesen Situationen oft gedankenlos drauf los gehandelt. Gerade bei hohen Verlusten gewinnen Anleger oft das Gefühl, diese nicht mehr mit den bisher benutzen Anlageinstrumenten (z.B. Aktien) kompensieren zu können. Daher wird meist auf sehr risikoreiche Termingeschäfte (z.B. Optionsscheine) gesetzt. Die nötige Erfahrung zum erfolgreichen Einsatz dieser Papiere mit Hebelwirkung ist jedoch in den seltensten Fällen vorhanden. Vor dem Hintergrund der aktuellen Verluste, scheint der Ausgleich dieser wahrscheinlicher als weitere Rückschläge. Manchmal wird der Einsatz risikoreicher Wertpapiere auch mit dem "Ausnahmezustand" gerechtfertigt: "Nur dieses eine Mal - schnell ein paar Tage Gewinne machen bis die Verluste ausgeglichen sind - dann handele ich wieder normal."

Erfolgversprechender ist eigentlich das gegenteilige Handeln. Hat man hohe Verluste erlitten, kann man Handelsentscheidungen kaum mehr rational treffen. In dieser Situation empfielt sich eine kleine Handelspause. Es bewirkt oft Wunder, den Handel für nur einige Tage bzw. Wochen zu unterbrechen. Danach ist der Blick auf das eigene Depot und künftige Anlagen um ein Vielfaches neutraler. In der handelsfreien Zeit hat der Börsianer die Gelegenheit, sich an seine Verluste zu "gewöhnen". Sie werden akzeptiert und von künftigen Handelsentscheidungen abgekoppelt. Gedanken wie "Jetzt hole ich mir mein Geld zurück." weichen Vorhaben wie "Ich habe etwas falsch gemacht, muß meine Strategie überdenken und mein verbliebenes Kapital erhalten."

Wer die Finger überhaupt nicht vom Markt lassen kann, sollte aber zumindest sein Risiko reduzieren. Das Verkleinern von Positionsgrößen ist eine Maßnahme, die die Psyche des verlustgeplagten Anlegers oft erheblich entspannen kann.

Ich kann jedem Anleger nur raten, neue Investitionen isoliert von Verlusten und Gewinnen der Vergangenheit zu betrachten, das Risiko neutral einzuschätzen und den Anlagestil an den persönlichen Kenntnissen und Fähigkeiten auszurichten. Begriffe wie Risikostreuung und Verlustbegrenzung sind keine Oberlehrersprüche von spießigen, langweiligen Altbörsianern, sondern wichtige Grundsteine für langfristigen Börsenerfolg.


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